Richard Paul Ashcroft wurde am 11. September 1971 in Billinge, einem Vorort von Wigan in Lancashire, geboren. Er hat zwei jüngere Schwestern, Victoria and Laura.
Während seiner ersten zehn Lebensjahre war das einzig wirkliche Drama in Richards Leben seine ständigen Besuche beim Hausarzt aufgrund verschiedener kleinerer Beschwerden, die durch seine reichlich dünne Figur verursacht wurden.
Im Alter von 11 Jahren verlor Richard seinen Vater. Dies war ein Ereignis mit enormen und langanhaltenden Auswirkungen auf Richards Entwicklungsjahre. Der erste sofortige Effekt war, dass es ihn zu einem übermäßig ernsten Kind machte. Er sagt: „Andere Kinder spielten mit ihrem Action Man, während ich das Leben und die Gesellschaft in Frage stellte.“ Er sah, wie kurz das Leben sein kann, und dachte sich: „Ich mache etwas ganz besonderes aus mir.“ Nach dem Tod seines Vaters wurde Richard zu einem lauten Kind, das auch in seiner Schule, Upholland Comprehensive, kein Blatt vor den Mund nahm. Sein generelles Desinteresse an allen akademischen Themen machte ihn auch bei den Lehrern zu einem unbeliebten Schüler.
Richard flüchtete sich vor allem Schulischen in den Fußball. Im Alter von dreizehn Jahren war er einer der besten Spieler im Schulteam. Im Alter von 15 Jahren besuchte Richard die Bobby Charlton-Fußballschule. Leider besaß Richard einen Mund, der genauso groß wie sein wachsendes Ego waren, wodurch er sich viermal eine gebrochene Nase einhandelte.
Da Richard langsam seinen Enthusiasmus für Fußball verlor und unter schmerzhaften Knien litt, ersetzte er Sport mit einer anderen Besessenheit: Musik. Er beschloss, dies als erstes einmal seinem Karriereberater zu sagen, welcher ihm resigniert zuhörte, bevor er ihn ins örtliche Schwimmbad schickte, um dort ein paar Wochen als Badewärter zu arbeiten. Anstelle jedoch Leben zu retten, musste Richard die Toiletten reinigen.
Aufgrund dieser Arbeitserfahrungen wollte er natürlich nur noch mehr Musik machen, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch keine Note spielen konnte. Er schwelgte geradezu in einer Pseudo-Popstar-Persönlichkeit und hatte alle paar Wochen eine neue Frisur, da seine Mutter auch Friseuse war.
Je mehr Richard Musik liebte, desto weniger wollte er zur Schule gehen. Als seine Klasse einmal an einer Prüfung in Philosophie und Religion teilnahm, wurde es Richard zu langweilig, und da draußen die Sonne schien, ging er einfach. Er war auch nach Stunden noch nicht wieder da, und seine Lehrer schlugen einen Besuch beim Psychiater vor.
Um diese Zeit wurde Richard stark von seinem Stiefvater beeinflusst, einem Mitglied des historischen weltlichen Ordens der Rosenkreuzer, welche regelmäßig Experimente in Bewusstseinserweiterung und den heilenden Künsten durchführten.
Zwei seiner Schulfreunde, Simon Jones und Pete Salisbury, nahmen ebenfalls an der bereits genannten Philosophie- und Religionsprüfung teil. Inspiriert von Richards dreister Arroganz und seinem Enthusiasmus für Musik fing Jones an, Gitarre zu spielen. Im Jahre 1969 formten sie die Band Verve, gemeinsam mit Nick McCabe und Simon Tong, welcher Jones und Ashcroft ihre ersten Gitarrengriffe beigebracht hatte, als sie noch Teenager waren.
Ihr erstes Album, A Storm In Heaven, kam 1993 heraus. Zu diesem Zeitpunkt bestand Richards Leben zum größten Teil heraus, spät am Tag aufzuwachen, sich zuzuziehen und dann wieder ins Bett zu gehen. Während der US-Tour zur Werbung für diese LP kam Richard ins Krankenhaus, nachdem er aufgrund von Drogenmissbrauch vor einem Konzert an schwerem Wassermangel litt. Im gleichen Jahr musste die Band auch nach einem Rechtsstreit mit einem amerikanischen Label, welches auch Verve hieß, ihren Namen ändern. Sie wurden also zu The Verve.
Nach dem 1995 erschienenen Album A Northern Soul, welches unter Einnahme massiver Mengen Ecstasy entstand, heiratete Richard heimlich Kate Radley. Sie hielten diese Hochzeit zwei weitere Jahre geheim. Die folgende US-Tour war ein großer Erfolg, aber ein paar Wochen nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien und ein paar Konzerten gab es schockierende Nachrichten: die Band hatte sich getrennt. Im Mittelpunkt der Trennung stand Richard Ashcroft. In der Musikszene war es gut bekannt, dass Richard mit mehr als nur körperlichen Problemen von ihrer letzten US-Tour zurückgekehrt war. Er hatte nie Zeit gehabt, die vielen Dinge einmal zu überdenken, die sich seit dem Beginn seiner Bandkarriere im Alter von 19 Jahren geändert hatten.
Zum Erstaunten vieler Leute hatte er nur drei Wochen nach der Trennung ein neues Team mit Salisbury und Jones gebildet und außerdem auch Simon Tong fürs Keyboardspielen angestellt. Zunächst trat Nick McCabe The Verve nicht erneut bei, aufgrund mehrerer Konflikte mit Richard, welcher der Meinung war, dass The Verve ohne Nick nicht mehr die Band war, die er liebt. Obwohl die zwei seit der Trennung kein Wort mehr miteinander geredet hatten, trat Nick The Verve erneut bei, und die Band begann, neue Songs aufzunehmen.
Im Juni 1997, nur zwei Tage vor Tourbeginn und bevor der neue Song Bittersweet Symphony herauskommen sollte, wurde Richard krank, so dass diese Tour auf August verlegt wurde.
The Verve hatten mit Urban Hymns international Erfolg und erreichten damit drei Top Ten Hits, einschließlich Bittersweet Symphony, The Drugs Don’t Work und Lucky Man. Dies waren alle Ashcroft-Kompositionen. Wenn er heute daran zurückdenkt, war die Zeit, in der sie dieses Album aufnahmen, die beste mit The Verve, sagt Richard.
Im April 1999 trennten sich The Verve jedoch endgültig, nachdem Gitarrist Nick McCabe die Band aufgrund schwerer Streitigkeiten mit Richard verlassen hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Band wieder auseinandergelebt. Richard sagte: „Ich habe der Band immer alles gegeben und hätte das auch weiterhin getan, wenn die Umstände das nicht unmöglich gemacht hätten. Ich möchte den Fans für ihre loyale Unterstützung und ihre phänomenale Reaktion auf Urban Hymns danken. Ich fühle mich jetzt positiver, wo eine Entscheidung getroffen wurde – Limbo ist nicht gut für die Seele.“
Ashcrofts erstes Soloalbum, Alone wich everybody, auf dem Pete Salisbury die Drums spielt, folgte im Juni 2000, drei Monate nachdem Kate ihren Sohn namens Sonny zur Welt gebracht hatte. Das Album landete auf Nummer 1 in den Charts, und die Single A Song For The Lovers kam auf Platz 3.
Einige Leute meinen, dass Alone wich everybody ein unbefristeter Liebesbrief an Richards Frau Kate ist. In I get my beat singt er: “I get my beat with you / When we see things through / And I think about you all the time” oder in einem anderen Song: “I got you on my mind in my sleep”.
Zwei Jahre später arbeitete Richard am Track The Test für eins der Chemical Brothers-Alben mit. Dieser Song kam später als Single heraus.
Im Oktober 2002 kam Richards zweites Soloalbum Human Conditions heraus. Die Singles Check The Meaning und Science Of Silence waren große Erfolge. Human Conditions scheint eine spirituelle Reise um die Welt zu sein, während Richard Gott in Frage stellt und sich Gedanken über das Leben macht.
Wenn er über seine Einflüsse spricht, nennt Richard The Stooges, Led Zeppelin, Brian Wilson von den Beach Boys and John Lennon. Brian Wilson trat auf Human Conditions auf dem Track Nature is the law auf. Richard sagt, dass mit Wilsons Auftritt einer seiner größten Träume wahr wurde.
Richard Ashcroft arbeitet nunmehr an seinem dritten Album, welches nächstes Jahr herauskommt.